2.3. Lehrkurse

Die in der "General=Verordnung, betr. das deutsche Elementar=Schulwesen in den evangelischen Orten des Königreichs vom 26./31. Dezember 1810"RegBl. 1811, S. 4. eingeführten Lehrkurse für Lehrer wurden dort nicht das erstemal geregelt, aber sie fanden sich dort erstmalig in einem Gesamtkonzept künftiger Lehrerfortbildung.

§. 20. Um so viel möglich auch noch die weitere Bildung der bereits angestellten Schulmeister und Provisoren zu befördern, werden nicht nur alle Geistlichen ernstlich erinnert, bei den Schullehrern ihrer Orte für diesen wichtigen Zweck zu thun, was in ihren Kräften steht, sondern

a) es sollen auch in allen Diöcesen, wo sich in diesem Fache vorzügliche Geistliche finden, von denselben unter Aufforderung oder Genehmigung des K. Ob. Consistoriums und nach einem von demselben vorgeschriebenen oder genehmigten Plan Lehrkurse für die Schulmeister und Provisoren gehalten werden, welche für ihre Bedürfnisse nach denselben Grundsätzen einzurichten sind, wie der §. 15. angegebene Zweck es in Hinsicht auf die Incipienten bestimmt. Diese Lehrcurse werden zur besten Jahreszeit wochentlich 2mal an den Vakanz=Nachmittagen gehalten, und müssen von allen Provisoren und Schulmeistern der Diöcese, welche nicht zu weit entfernt sind, und noch keinen der bisher von Geistlichen gehaltenen Lehrcurse besucht, oder bei der noch demselben angestellten Prüfung sich noch nicht genug unterrichtet gezeigt haben, wenigstens 2 Sommer hindurch besucht werden.

Diese erhalten von der piis corboribus oder der Commun=Casse, die Wir auf 12 bis 15 kr. für jeden Besuch, je nach der Entfernung des Orths bestimmt haben wollen, so wie die Geistlichen, welche die Curse halten, eine außerordentliche Remuneration von jährlichen 40 fl. für Jeden, welche die Cassen der Orte, wo die Schullehrer und Provisoren angestellt sind, gemeinschaftlich zu übernehmen haben.

Die Verordnung ist mit 12 Druckseiten keineswegs knapp gehalten, aber gegenüber den Rescripten und Recessen aus herzoglichen Zeiten sind die Sätze kürzer gehalten, die Abschnitte ebenso und sogar eine mit Überschriften versehene Gliederung ist vorhanden. Der vorher verwendete, eher barocke Satzbau ist nicht gänzlich verschwunden, macht aber wesentlich weniger Probleme beim Verständnis. Dieser Wandel war keine Besonderheit bei der Formulierung württembergischer Verordnungen, sondern ein Zeichen der Zeit, man war dabei, in jeder Hinsicht Zöpfe abzuschneidenÖsterreichische Militärzeitschrift von 1863.:
Es ist bemerkenswerth, daß bei der im Jahre 1805 erschienenen Adjustirungsvorschrift keine Neuerung so viele Besorgnisse erregte, als die Verbannung der langen, mit Bändern umwundenen und mit Schleifen gezierten Haarzöpfe. Man befürchtete, die Mannschaft, insbesondere die ungarische, würde nur mit Gewalt zu dem Abschneiden dieser Zöpfe gezwungen werden können, zumal da bis zu dieser Zeit nur den dem Zuchthause Verfallenen das Haupthaar kurz abgeschnitten wurde. Aber gefahr- und spurlos verschwanden die Tausende von Haarzöpfen, die Disciplin wurde nicht im geringsten gefährdet.
Dieser Blick aufs Militär hat auch insofern Belang, als der spätere und hier wichtige König im Jahr 1774 seine militärische Laufbahn als preußischer Offizier begann und nach einem Wechsel bis 1788 in russischen Diensten stand. Von der Notwendigkeit eines Wandels mag er sich auch 1789 bei seinem Aufenthalt in Paris überzeugt haben. Eine Erfahrung vom Erfolg zielgerichteten Handelns gaben auch die "Schwarzen Jäger"MARTENS 1847, S. 710ff. 1799 beim Gefecht bei Erligheim. Um der Schlagkraft der französischen Revolutionsheere wenigstens punktuell angemessen begegnen zu können, hatte man Wildhüter – und wohl auch einige Wilddiebe – in einer Einheit zusammengefasst. Diese Männer schossen auch unter Belastung nicht nur grob in die Richtung des Feindes, sondern gezielt und so erfolgreich, wie es eben die Präzision der damaligen Waffen und Munition zuließ. Damit ist noch kein Gefecht zu gewinnen, man kann aber die feindliche Front an einer Stelle aufbrechen und so einen Sieg einleiten, wie bei Erligheim geschehen. Solcher Durchbrüche bedurfte auch das Elementarschulwesen. Allerdings war die Lage hier insofern wesentlich komplizierter, weil die Konflikte quer durch das ganze Staatswesen gingen und auch einzelnen Personen eine eindeutige Stellungsnahme schwer fiel. Leichter fiel hier die Einsicht, dass der Erfolg der "Schwarzen Jäger" von der personellen Auswahl, der Vorbildung, Ausbildung und Übung sowie der geeigneten Ausrüstung abhing. Das sind alles Abhängigkeiten die für die Schule gleichermaßen gelten.

Die Angabe konkreter Zahlen in der General=Verordnung könnte bei manchem Prälaten oder Dekan Unmut verursacht haben, denn die Gestaltungsmöglichkeiten waren damit stark eingeschränkt, somit auch jedwede Verhinderung oder Verzögerung. Selbst die Finanzierung wurde geregelt, was zuvor keine selbstverständliche Übung war. Vorangegangen in Sachen Lehrkurs war der General=Verordnung ein Aufruf im RegierungsblattRegBl. 1808, S. 629..

Nro. 55. 1808. 629
. . .

Samstag, 17. Dec.

Ministerium der geistlichen Angelegenheiten. Aufruf an die Schul=Lehrer und Candidaten des Schulstandes im Königreiche, die in Heilbronn errichteten pädagogischen Bildungsanstalten zu besuchen.

Se. Königl. Majest. haben sich bewogen gefunden, vermög allerhöchsten Decrets vom 7. d. M. dem Schul=Inspector Zeller in Heilbronn die Errichtung einer Muster=Schule daselbst nach den neueren Grundsäzen der Pädagogik aufzutragen. Da hiedurch den Lehrern und den Candidaten des Schulstandes überhaupt die Gelegenheit eröfnet wird, sich mit den Fortschritten der neuern Zeit in dem Fache der öffentlichen Erziehung und insbesondere mit der Pestalozzi schen Methode bekannt zu machen, und dadurch ihre Einsichten und Kenntnisse zu vervollkommnen, so wird jene allerhöchste Anordnung hiemit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, damit diejenige, welche neben dem Interesse für diese so wichtige Angelegenheit auch die Mittel zu einem temporairen Aufenthalt in Heilbronn besizen, sich dahin zu begeben, und Theil an dem Unterrichte nehmen, welchen der Schul=Inspektor Zeller Allen, die sich dazu melden, von Amtswegen und unentgeldlich zu geben hat. Stuttgart, den 9. Dec. 1808.

Der Unterricht selbst war frei, nicht aber Unterkunft und Verpflegung. Zu diesen Unkosten wäre bei den meisten Lehrern noch der Verdienstausfall hinzugekommen. Keinen Monat später erfolgte eine Präzisierung des VorhabensRegBl. 1809, S. 1..

Montag, 2. Jan.

Ministerium der geistlichen Angelegenheiten. Erläuterung zu dem Aufrufe (in dem Staats= und Regierungs=Blatt vom vorigen Jahr Nro. 55) an die Schul=Lehrer und Schul=Candidaten im Königreich, zum Besuche der in Heilbronn errichteten pädagogischen Bildungs=Anstalten.

Da nach dem, an die Schullehrer und Schul=Candidaten im Königreiche in Nr. 55 des Königl. Staats=und Regierungs= Blatts vom vorigen Jahr erlassenen Aufrufe zum Besuche der in Heilbronn von dem Schul=Inspektor Zeller errichteten pädagogischen Bildungs=Anstalten, es leicht möglich seyn könnte, daß Mehrere, ohne vorherige Anfrage und zu verschiedenen Zeiten, sich daselbst einfänden; so werden jenem Aufrufe theils zu Vermeidung von Irrungen, theils zur Aufmunterung für diejenigen, welche aus Unkunde der dort vorgetragenen Lehr=Gegenstände diesen Aufruf zu benuzen unterlassen würden, folgende nähere Bestimmungen beigefügt:

1) Wird ein Termin von fünf Wochen hiemit festgesetzt, innerhalb dessen alle, die den Unterricht des Schul=Inspectors Zeller in Heilbronn benuzen wollen, sich bei ihm in frankirten Briefen zu melden haben;

2) Mit dem 10. Febr. d. J. wird das Verzeichniß derselben geschlossen, und in dem Staats=und Regierungs=Blatt der Anfang des Lehr=Cursus angezeigt werden, damit Alle, welche sich gemeldet haben, wenn nicht etwa eine zu große Anzahl Beschränkungen erforderte, zur bestimmten Zeit sich in Heilbronn einfinden;

3) Der Schul=Inspector Zeller wird Allen an die Hand gehen, daß sie unter billigen Bedingungen in rechtlichen Bürgerhäußern Wohnung, Kost, Licht und Bett erhalten, auch sonst während ihres Aufenthaltes in Heilbronn jede mögliche Erleichterung finden.

4) Die Lehr=Gegenstände, welche der Schul=Inspector Zeller in diesem Lehr=Curse behandeln wird, sind nach seiner Angabe

"das Ganze der Schulführung selbst - der deutsche Sprach=Unterricht in allen seinen Stufen, nebst der Behandlung des religiösen Lehr=Stoffs - die Zahl=Verhältnisse und ihre Bezeichnung durch Ziffern - die Formen= Verhältnisse und ihre Darstellung durch Zeichnen, Größen und Maaßlehre, Musik, die gemeinnüzigsten, und allgemein anwendbarsten Lehren der neuen Landwirthschaft."

5) Da in Heilbronn bereits 400 Kinder in 4 Schulen nach der neuen Methode unterrichtet werden, so ergiebt sich dadurch für die wißbegierigen Schullehrer die erwünschte Gelegenheit, jene Unterrichts=Gegenstände theils in der Anwendung genau kennen zu lernen, theils selbst praktische Versuche zu machen.

6) Den katholischen Schul=Lehrern und Provisoren bieten die in Heilbronn angestellten katholischen Geistliche ihre Dienste an, und werden ihnen in der Privat=Schule der dortigen Klosterfrauen dieselbe Anschauung der Methode zu verschaffen sich bemühen.

Diese näheren Bestimmungen werden hiemit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, und sämtliche Geistliche angewiesen, ihren Schul=Lehrern und Provisoren solche bekannt zu machen. Stuttgart, den 2. Jan. 1809.

Der Zulauf war durchaus erfreulich, für Zeller auch das ErgebnisGEHRING 1825, S. 103f..
Zeller wenigstens legt in seinem Buche, betitelt: "Das Ziel der Elementarschule," S. 40, das Zeugnis ab, daß von den zu Anfange des Jahres 1809 auf die Einladung des Cult=Ministeriums nach Heilbronn gekommenen 37 Wirtembergischen (25 evangelischen und 12 katholischen) Schullehrern der größte Theil ungleich mehr Vorkenntnisse mitgebracht habe, als die Schweizerischen Schullehrer zu dem ein Jahr vorher in Hofwyl errichteten Institute, so daß es ihnen eher möglich gewesen sey, schon nach 6 Wochen selbsterworbene Ansichten von dem Geiste der Methode (der Pestalozzischen) selbst auszusprechen, was eigentlich nur nach jahrelang fortgesetzter Ausübung derselben erwartet werden könne, weil dem schon angestellten Lehrer kein anderer Weg mehr offen stehe, sich zu vervollkommnen, als der, durch Lehren zu lernen. Eben das, daß auf die Einladung des Cult=Ministeriums 37 Schullehrer (jüngere und ältere) in Heilbronn sich einfanden, ist aber auch weiter ein Beweis, daß in den wirtembergischen Schullehrern der Sinn für das Neuere und Bessere noch nicht erloschen, sondern im Gegentheil der Trieb, sich zu vervollkommnen und für den Beruf immer tüchtiger zu machen, noch sehr stark war.
Carl August Zeller ist 1774 auf Hohenentringen bei Tübingen geboren, durchlief die Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn, erlangte 1794 in Tübingen die Magisterwürde und "im Juli 1797 verteidigte er »in publico« seine Dissertation und im November bestand er das theologische Abschlußexamen als Drittbester seiner Promotion."FEUCHT 1977, S. 195. Dies war der für Württemberg typische Bildungsgang für einen Pfarrer. Die reformierte Gemeinde zu Brünn in Mähren bot eine Stellung als Hilfsprediger und Lehrer an. Zeller übte diese Tätigkeit fünf Jahre lang aus, bevor er 1803 nach Burgdorf ging, "um die Lehrart Pestalozzis unter dessen persönlicher Anleitung kennen zu lernen und praktisch zu üben."Lexikon der Pädagogik 1913, S. 978. Im Kanton Zürich hielt er dann eine Reihe von Schulmeisterkursen "mit so durchschlagendem Erfolg ab, dass auch die benachbarten Kantone und die Äbte mehrerer Klöster die gleiche Einrichtung trafen oder ihre Lehrer und Lehrerinnen an diesen Kursen teilnehmen ließen."Lexikon der Pädagogik 1913, S. 978/979. 1808 wurde Zeller zum Schulinspektor in Zofingen im Aargau ernannt, König Friedrich besuchte ihn in Hofwyl, setzte ihn als Schulinspektor in Heilbronn ein und der preußische Minister von Schrötter berief ihn als Regierungs- und Schulrat nach Königsberg. Selbst mit den heutigen Verkehrsmitteln wäre dies schwierig zu leisten. Als Württemberger ging Zeller zuerst nach Heilbronn. Die Preußen wiederholten ihr Angebot und Zeller reichte sein Entlassungsgesuch ein, kaum dass seine Arbeit in Heilbronn richtig begonnen hatte. Keine drei Wochen später findet sich die Reaktion im RegierungsblattRegBl. 1809, S. 179..
Ministerium der geistlichen Angelegenheiten. Nachricht von dem dem Schul=Inspector Zeller in Heilbronn aufgetragenen Cursus für Geistliche.

Se. Königl. Maj. haben vermög allerhöchsten Decrets vom 24.April dem Schul=Inspector Zeller in Heilbronn die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung aus Königl. Diensten unter der Bedingung zu ertheilen geruht, daß derselbe zuvor einen Cursus über seine Methode für Geistliche halte. Dieser Cursus wird am Montag den 29. Mai in Heilbronn eröfnet werden, und drei Wochen dauern.

Achtzehn Geistliche des Reichs (12 evangelische und 6 katholische) sind zum Besuche dieses Cursus besonders bestimmt.

Ausserdem steht es aber jedem andern evangelischen oder katholischen Geistlichen, insbesondere auch den Dekanen, frei, wenn sie aus eigenen Mitteln die Kosten der Reise und des Aufenthalts in Heilbronn bestreiten können, den Zellerschen Cursus zu besuchen. Nur müssen sie zuvor resp. dem Königl. Ober=Consistorium oder dem kath. geistl. Rath eine Anzeige von ihrem Vorhaben machen, und dabei bemerken, ob und wie ihre Amtsgeschäfte während der Abwesenheit von ihren Stellen durch andere Geistliche besorgt werden können.

Stuttgart, den 28. April 1809.

Einen unerfreulichen Unterschied gab es zwischen dem ersten Kurs für Lehrer und dem zweiten für die GeistlichenGEHRING 1825, S. 105 Fußnote.:
Nachdem der Cursus für die Schullehrer, welche sich freiwillig eingefunden und alle Kosten selber getragen hatten, geendigt war, wurden 18 Geistliche nach Heilbronn berufen. Diese erhielten 2 Gulden Taggeld und Diäten während der Hin= und Herreise!
Ob Zeller bei einem Verbleib in Württemberg noch viel bewegt hätte, ist mit Blick auf seine preußischen Jahre keineswegs gesichert. Von seinem Naturell her war er eher ein Künstler, der auf der Bühne zu ungeheuren Höchstleistungen aufläuft, aber ohne Publikum zum Nichts verkommt. Entsprechend zeigte er Empfindsamkeiten, Leistungsschwankungen, Stimmungswechsel und überhöhte Ichbezogenheit. Dies schmälert aber nicht seine erbrachten Verdienste. Auch wurden seine Anliegen teilweise dadurch befördert, dass sich ihr Wert für manche erhöhte, weil es die Preußen mit Zeller so wichtig hatten.

Zeller fand Nachahmer. "Es wird von 20 solcher Lehrkurse berichtet, die innerhalb kurzer Zeit veranstaltet worden seien."MAIER 1948, S. 545. Inwiefern die Kursleiter dieser 20 Lehrkurse Kursteilnehmer bei Zeller waren, ist schwerlich nachzuvollziehen, weil die Teilnehmerliste nicht mehr vorhanden ist und nur noch einzelne Teilnehmer aus der Literatur benannt werden könnenBAUER 1989, 8.5.1. Teilnehmer, S. 280f.. "Helfer Kleinmann in Bönnigheim unterrichtet eine Anzahl Kinder nach der Methode Pestalozzis und bietet einen Lehrkurs für Lehrer an."SCHMID 1933, S. 40. Kleinmann war neben Pfarrer Seubert Schulkonferenzdirektor in der Diöcese Besigheim.

Ein recht präziser Stoffplan eines solchen Lehrkurses findet sich in den Dekanatsakten LeonbergLKA, DA Leonberg, Nr. 53 SchullehrerKonferenz 1798-1818.. Auch die Teilnehmer sind mit ihrem Dienst- und Wohnort aufgeführt. Die jeweilige Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen ist nicht dokumentiert. Über die Rechnungsbücher der einzelnen Gemeinden könnte man darüber möglicherweise etwas erfahren. Ob diese Tagegelder wirklich, dann auch pünktlich und ungeschmälert ausgezahlt wurden, ist aber keineswegs sicher. Eine Erschleichung von Tagegeld ist auch nicht gänzlich auszuschließen.
 

XIV. Renningen

Diöcese und OberAmt Leonberg

LandVogthey Rothenberg.

Bericht.

I. über die 2 im Jahr 1811 hier gehaltenen Schulkonferenzen, und II. über den Lehr=Kurs

. . .

II. Über den Lehr=Kurs.

1.) Dieser wurde am 24sten May eröfnet, und den 9ten Nov. 1811. geschlossen.

2.) Besuchende Mitglieder waren 20. darunter 17. aus der Diöces. Nahmentlich von Leonberg: Schulmeister Wildt und Prov. Beutelsbacher. Von Eltingen: Schulmeister Ramenstein und Prov: Rühle. Von Warmbronn: Schulmeister Weber. Von Renningen: Schulmeister Kaufmann und Provisor Frey, auch der damalige Incipient, und jezige 2te Provisor Bek, und nach Freys Abkunft der jezige Provisor Maier. Von Malmsheim: Schulmeister Mammel und Provisor Gleich. Von Münklingen: Provisor Eitel und nach deßen Abkunft Schulmeister Kindler. Von Friolzheim: Schulmeister Baier und Provisor Schneider. Von Heimsheim: Schulmeister Ziegler und Provisor Kraus; nach diesem Krämer. Von Ruthesheim: Schulmeister Jüngling und Provisor Walker; nach diesem Barth. Von Gebersheim: Schulmeister Schömperlen. Aus der Böblinger Dioeces: Schulmeister Egeler von Magstadt, und Provisor Schnaufer, und von Maichingen Provisor Ruof.

3.) Der mehrmalige ProvisorWechsel hatte freylich den Nachtheil, daß manche nur Bruchstücke hörten, und von hier wegbrachten.
 


[I.] Innhalt des Lehr-Kurses selbst.

Vorgetragen wurde:

1.) Begriff der Pädagogik, Didaktik und Methodik.

2.) Verdeutschung dieser Namen: Erziehungs-Kunst, Lehr-Kunst, Lehr-Art.

3.) Ihr Ursprung. Über Kunst Wörter. Vortheil der griechischen Sprache zu ihrer Bildung. Annäherung der Deutschen hierin. Warnung vor falscher Prang Sucht mit Kunst Wörtern.

4.) Unterschied zwischen Kunst und Künsteley. Warnung vor dieser.

5.) Die Bibel, eine HauptQuelle der Pädagogik.

1.) Gott selbst, Ober-Lehrer und Ober-Erzieher der Menschheit.a.) unmittelbar.

b.) mittelbar.

c.) Beweis aus erklärten Stellen der heiligen Schrift.

d.) Zucht, züchtigen, heißt in vielen Stellen der Bibel: Erziehung, erziehen. Beweise mit Erklärung.

e.) Pädagogische Zweke in der Bibel; z. B. des levitischen GottesDienstes.

2.) Lehrer und Erzieher als Stellvertreter Gottesa.) Folgerungen daraus für die Würde, Wichtigkeit.

b.) Verantwortlichkeit ihres Berufs.

3.) Didaktik und Pädagogik im engeren Sinne für Schul-Lehrer.a.) Objekt derselben: Menschen Kinder.

b.) Nöthige Kenntnis der Menschen und Kinder Natur für den Lehrer. Daher:
 
 

II. Anthropologie und Pädologie

1.) Name, Begriff und allgemeine Uebersicht dieser Wissenschaft

2.) Das Kind

a.) als NaturWesen

b.) als Thier,

c.) als Mensch.

3.) Unterschied des Mechanismus und Organismus

4.) Vorzüge des Mensch-Thieres

5.) Das Menschsein des Kindes

6.) Von der menschlichen Seele überhaupt.

7.) Von Daseyn der Seele als eine Substanz.

8.) Verbindung zwischen Seele und Körper.

9.) Natur der Seele — Aeußerungen.

10.) Empfindungs Kraft der Kinder-Seele.

a.) Gefühl als Grund Sinn.

b.) Werk-Zeuge: die Nerven, durch deren Verbindung dem Kinde die Außere Welte sich mittheilt.

c.) Die äußern Sinne.

aa.) die edlern. bb.) die geringern.d.) Aeußerungen dieser Sinne.

e.) Eindruck auf die Seele des Kindes

f.) Was die Pädagogik bey Mangel oder Schwäche des einen – oder andern von den edleren Sinnen zu thun habe? — Nachhülfe.

g.) Der innere Sinne des Kindes? Wahrnehmungs-Kreis dieses Sinnes.

h.) Gefühle.

aa.)sinnliche.1.) angenehme. 2.) unangenehme.bb.) intellektuelle und moralische Gefühle1.) angenehme. 2.) unangenehme.i.) Weise oder unweise Benuzung dieser Gefühle und Leidenschaften zu Bildung oder Misbildung der Kinder.

k.) Vorzügliche Benuzung des Ehr– und Furcht– des Schaam–Gefühls. p.p.
 
 

11.) Denk oder Vorstellungs-Kraft des Kindes.1.) a.) Gedächtniß.b.) Eintheilung desselben in mechanisches p. Wichtigkeit dieses Unterschieds bey Kindern.

c.) Übung und Schärfung des Gedächtnißes.

d.) Gedächtniß=Stärke — Schwäche

e.) Von der Gedächtniß-Kunst (Mnemonik) in älterer und neuerer Zeit.

f.) Haupt-Regeln und Vortheile derselben zum Gebrauch für Kinder und zu Erhaltung des Gleichgewichts mit anderen Seelen-Kräften

g.) Gedächtniß Uebungen für Kinder mit Auswahl nach ihren Natur Eigenschaften.

2.) Einbildungs Kraft der Kindera.) die zurückreisende /reproduktive/

b.) die schaffende. (produktive/

aa.) Benuzung dieser SeelenKraft zum Besten des Kindes.

bb.) Über Begriffs-Kettungen (Ideen Assoziation) bey Kindern.

cc.) Erläuternde Beyspiele

dd.) Unterschied zwischen Gedächtniß und Einbildungs Kraft

3.) Höhere Denkkraft der Kinder Seele. — Urtheils Kraft — Vernunft.a.) Begriffe des Kindes.

b.) Geburt und Stufenfolge dieser Begriffe.

c.) Dienst weiser Erzieher, als geistiger Geburts-Helfer.

– Sokratische Kunst. Vortheil von BegrifsKettungen.

d.) Aufsparung der Begrifs Lehre auf die Logik für SchulLehrer.

4.) Willenskraft des Kindes, Richtung derselben.12.) Was man Temperament heiße?

13.) Weise Rücksicht auf das Temperament der Kinder.

14. Vorsicht bei Bestimmung und Angebung desselben.

15.) Würde des Menschenkindes nach allem dem Vorhergehenden.

16.) Hoher Wert des Kindes nach der Schrift.

17.) Verkennung desselben, und daherige Gleichgültigkeit und Pflichtlosigkeit gegen Kinder.

18.) Schrökliche Entwürdigung der Menschheit und der Kindheit im alten und neuen Heidenthum, nach der Geschichte.

19.) Wiederherstellung der Menschen und KinderWürde durch Jesum, und die von ihm gestiftete Religion.

20.) Schullehrer als Mitarbeiter am VeredlungsPlane Jesu.

21.) Wie der Schul-Lehrer die Entwicklung der körperlichen und geistigen Kinder Anlagen fördern müße?

Anfang:
 


III.) Unterricht im Sprechen.

1.) Von der menschlichen Sprach=Fähigkeit überhaupt, und ihrem Zusammenhange mit der Vernunft.

2.) Richtiges Sprechen.

3.) Abgewöhnung der in die Schule mitgebrachten Fehler des Kindes in der Aussprache.

a.) Durch Vorsprechen des Lehrers.

b.) Durch Nachsprechen des Kindes.

4.) Sprache, eine Würkung des menschlichen Organismus und Mechanismus.

5.) Regeln – unserer Sprache Werkzeuge
 
 

IV. ) Unterricht im Lesen

a.) Die Buchstaben Kenntniß.

1.) Eintheilung in die alte Nominal Methode und neue Laut Methode.

2.) Basedows Art.

3.) Campes Buchstaben–Sylben und RednerSpiel

b.) Buchstabier-Art.1.) Widersprüche dagegen überhaupt

2.) HeinikensSamuel HEINICKE, 1727 - 1790, Taubstummenlehrer und Autor. Feindschaft dagegen und seine lächerlichen Uebertreibungen.

3.) Ungrund dieser Übertreibungen.

c.) Syllabier.Art1. Unterschied vom Buchstabiren. Die SyllabierArt lehrt Sylben und Worte aus ihrem Umriße kennen.

2.) Die BuchstabierArt synthetisch, die SyllabierArt analytisch.

3.) GedikeFriedrich GEDIKE, 1755 - 1803, Direktor eines Gymnasiums, Oberschulrat und Autor. Erfinder der SyllabierArt.– Sein BuchVon seinen Büchern dürfte hier gemeint sein: "Kinderbuch zur ersten Übung im Lesen ohne Abc und Buchstabieren", Berlin, 2. Aufl., 1789..

4.) Für welche Kinder diese Lehr=Art allein paße ?

5.) Unsicherheit dieser analytischen Methode.

6.) Unanwendbarkeit derselben in öffentlichen Schulen.

4. Andere Versuche zu Verbeßerungen.

I. 1.) Anbringung einer LeseMaschine in der Frey=SchuleFreischule (franz. ecoles graduites, engl. pauper schools oder ragged schools), Unterricht und Lernmittel wird aus öffent-lichen Geldern bezahlt, auch Armenschule genannt. zu Leipzig.

2. Ihr Erfinder der Prediger GieselerBei Literaturrecherche nichts passendes auffindbar..

3.) Vortheile dieser LeseMaschine

4.) Ihre Vertauschung mit der Stephanischen Art in dieser Freyschule selbst.

II. Oliviers Auftritt.1.) Seine Schriften, sonderlich sein orthographisches (!) Elementar Werk.

2.) Seine Laut-Methode

3.) Warum sie nicht für den SchulUnterricht passe?

4.) Seine unstreitigen Verdienste. Sein Vorzug im LeseUnterricht vor Pestalozzi.

5.) Pestalozzi hat in Hinsicht des Lesens nichts Ausgezeichnetes vor andern.

III. Xavier Hofmanns Lese Methode, Vorzüge derselben.

IV. Auftritt des Kanonikus Braun, Beneiders und Gegners von Hofmann.

V. PöhlmannsJohann Paul PÖHLMANN: D. J. P. PÖHLMANNs Fibel : in Verbindung mit einer wohlfeilen und in öffentlichen Schulen sehr brauchbaren Lesemaschine stehend. Nürnberg: Campe, 1809. Lese-Methode und sein Bestreben, dem Olivier den Preis abzugewinnen. – Seine Eigenheiten und Schwächen.

VI. Tillichs Hauptbuch über Oliviers Laut-Methode.

VII. Stephanis Erscheinung. Seine Elementar Methode. Das Wesentliche derselben. Stephanis Verdienste gegen seine Vorgänger, sonderlich gegen Olivier. Mängel seiner Methode.

VIII. Krugs Versuch einer verbesserten Laut Methode. Seine Verdienste und Schriften sonderlich sein Sprach bildendes Lese-Buch. Seine Unterscheidung des logischen und unlogischen Accentes.

IX. Durchgängige Nuzlosigkeitkeit der Unterweisung im Genetischen der Sprache für Land Kinder.

X. Das Anwendbarste aus allem Vorgetragenen für unsere LandKinder und was überhaupt zum Gut-Lesen gehöre?
Unerläßliche Grundlegung dazu durch fertiges Buchstabieren. – KinderGenies beweisen nichts gegen die Regel.

XI. Vortheile und HauptRegeln bey SylbenTheilungen. – (Das Weitere in der Sprach Lehre.)

XII. Richtige Lese Pausen nach dem Unterscheidungs Zeichen – Scharfe Ton-Hebungen – und Ton-Fälle.

XIII. Warnung vor der so und unzeitigen Erklär Sucht des gelesenen, so lange das Kind noch nicht im fertigen Lesen geübt ist, – Warum bis zu diesem Zeitpunkt hin das Lesen als Sache des Mechanismus behandelt werde?

XIV. Vorbug gegen Misdeutung dieses Sazes. Auf welche andere Weise Verstandes Uebungen mit dem Kinde angestellt werden sollen, ohne Unterbrechung im Lesen? Abermal über die Sokratische Gespräch– und geistige Entbindungs–Kunst in Beyspielen.

XV. Proben über das Gutlesen, gewählt aus der Bibel und dem Gesangbuche.
 
 

V.) Unterricht im Schreiben.

1.) Ursprung und Geschichte der Schreibe=Kunst

2.) Hoher Werth dieser Erfindung

3.) Die Schreibkunst im Alterthume.

4.) Werkzeuge derselben.

5.) Die Schreibkunst in unserer Zeit mit ihren Werkzeugen.

6.) Deutsche Buchstaben Schrift, und ihre zunehmende Verschönerung.

7.) Schreibmuster von Bizer und anderen.

8.) Beste Lehr-Art beym Schreiben — Grundstriche. – Abtheilung der Striche u. s. w.

9.) Gerechte Forderung an SchulLehrer, daß sie Schönschreiber seyen.

10.) Mein gerechtes Ansinnen an die Schul-Lehrer, sich in diesem Einzigen Punkte der Schönschreiberey, nicht nach meiner Praxis, sondern lediglich nach meiner Theorie und Anweisung zu richten — Gelegentliche Erklärung des Unterschieds zwischen Theorie und Praxis.

11.) Über den Nuzen der Schnell-Schreiberey — Hand- und KunstGriffe bey derselben.

12.) Vorzug des Richtig Schreibens vor dem Schön Schreiben in guten Schulen.

13.) Was zum richtig Schreiben gehöre? Allermeistens Sprachkenntniß! Daher
 
 

VI.) Unterricht in der deutschen Sprache.

1.) Adelung, und vornehmlich Leutwein als LeitFaden —. Warum?

2.) Von Sprachen insgemein — Mannigfaltigkeit derselben.

3.) Erwägung des Schadens und Nuzens dieser Mannigfaltigkeit.

4.) Über die Ursprache.

5.) Warum nur schon in unserem Europa die Einführung Einer Sprache, mit Verdrängung der andern, nicht Wünschenswerth wäre?

6.) Über die deutsche Sprache insonderheit.

7.) Ihre Geschichte und allmähliche Verwandlung bis auf unsere Zeit.

8.) Herrlichkeit unserer Muttersprache wegen ihrer Kraft, Reichhaltigkeit Bildsamkeit u: s: w:

9.) Luthers und anderer Verdienste um sie.

10.) Wie viel für uns Deutsche auf ihrer Erhaltung beruhe?

11.) Unverantwortliche Vernachlässigung derselben von manchen Schul-Lehrern.

12.) Beklagenswerthe Schwenkhaftigkeit unserer Sprache in manchen TheilenAuch der Schreiber dieses Textes verwendet Ü und Ue nebeneinander, er bindet und trennt Wortzusammensetzungen..

13.) Beyspiele und Ursachen, auch frohe Aussichten zu festerer Begründung.

14.) Die Sprachlehre selbst von dem Buchstaben an bis zur                Lücke im Text.         der Sylben; unter manchen Berichtigungen Leutweins.

Soweit das fernd Vorgetragene.

——————————————

Noch ist übrig:

Fortsetzung der Sprachlehre mit praktischen Uebungen, und einer kurzen Logik für Schullehrer.

VII. Unterricht im Rechnen.

VIII. Singlehre.

IX. FormenLehre (HauptBegriff derselben; denn sie taugt mehr für Stadt- oder Real-Schulen.)

X. Religions und Pflichten Lehre für Schullehrer.

XI. Kurze Geschichte der Pädagogik.

————————————

Pfarrer gedenkt das Rückständige heuer mit so vieler Sorgfalt, Gründlichkeit und Faßlichkeit vorzutragen, als das Beseitigte, und als in seinen schwachen Kräften stehet, und einst in einem ebenso umständlichen Abrisse Rechenschaft darüber zu geben. Auch wollte er lieber etwas ausführlich anzeigen, Was und Wie geschah, als weissagen, was noch geschehen soll; weil sich doch immer unter dem Nachdenken über die jedesmaligen Vorträge Manches nach Ordnung und Umfang abändert, und abändern muß

d: 29. Febr. 1812. Paret.

—————————————————————

Renningen.

Diöcese und Ober=Amt Leonberg.

Landvogthey Rothenberg.

Bericht über den im Jahr 1812 hier fortgesezten Lehr=Kurs, als beylage zur Post Relation auf Lichtmeß 1813.

1.) Der Lehr-Kurs wurde am 13ten May dieses Jahr eröfnet und den 11ten November geschloßen.

2.) Besuchende Mitglieder waren 18 darunter aus der Diöces 17. und 1. aus der Böblinger Diöces. Namentlich, von Leonberg: Schulmeister Wildt und Provisor Vögele. Von Eltingen: Schul=Meister Rammenstein und Provisor Schlee. Von Warmbronn: Schulmeister Weber. Von Renningen: Schulmeister Kaufmann und die 2 Provisoren Schneider und Bek. Von Malmsheim: Schulmeister Mammel und Provisor Gleich. Von Münklingen: Schulmeister Kindler. Von Friolzheim: Schul=Meister Baier und Provisor Schneider. Von Heimsheim: Schulmeister Ziegler und Provisor Krämer. Von Rutesheim: Schulmeister Jüngling und Provisor Barth. Von Gebersheim: Schulmeister Schömperlen. Aus der Böblinger Diöces: Provisor Schnaufer in Magstadt.

3.) Der mehrmalige Provisor Wechsel hatte freylich auch heuer den Nachtheil, daß manche nur Bruch=Stüke hörten, und von hier wegbrachten. — Auch bei den Schulmeistern trat manchmal der Fall ein, daß je Krankheits Witterungs oder Geschäfte halber aus blieben, folglich die Wenigsten einen zusammenhängenden Unterricht genoßen. Jedoch dieß wird auch, und kann wohl nicht anders, wegen der Entlegenheit der Orte, und der Nothwendigkeit der Reisen anderwärts, wo Haltung eines LehrKurs war, statt gefunden haben. – Was freylich dem bezwekten Nuzen der Lehr=Kurse keinen geringen Eintrag thut, so daß man die Ausbeute nicht zu hoch aufschlagen darf, sondern sich mit dem Troste behelfen muß: Doch besser Etwas, als Nichts!

—————————————————————

Inhalt des Lehr-Kurs selbst.

Vorgetragen wurde:

Die Fortsezung der deutschen Sprach-Lehre mit praktischen Ubungen und Prüfungen.

  1. Von Entstehungs=Art der Wörter.
  2. Unterschied zwischen Wurzel und Zweig Wörtern.
  3. Nothwendige Richtung der Aufmerksamkeit der Kinder auf die Auffindung der Wurzeln.
  4. Kennbarkeit der Wurzeln, und Vortheile durch Wegwerfung der Vor= und Nach=Sylben.
  5. Eintheilung der Wörter.
  6. Rede=Theile. – Angaben derselben nach Grund=Säzen der allgemeinen Sprach=Lehre.
  7. Entstehung eines Satzes.
  8. Über Geschlecht, Zahl, Fälle (casus) der Wörter.
  9. Über die deutschen Deklinationen. – Vereinfachung derselben. – Warum man ihrer nicht 8 bedürfe, nach Adelung, nicht einmal 5, nach Leutwein.
  10. Gebrauch des deutschen Artikels, sowohl des bestimmten, als unbestimmten.
  11. Vergleichung mit andern Sprachen. – Was unsere Sprache durch den Artikel gewinne oder verliere.
  12. Von den Zahl= Eigenschafts und FürWörtern.
  13. Von den Zeit=Wörtern, nach den Personen, der Zeit und der Saz=Art.
  14. Eintheilung der Zeitwörter in regelmäßige und unregelmäßige. – Manche werden irrig den unregelmäßigen beygezählt.
  15. Auch hier noch Schwenkhaftigkeit. Vorsicht dabey.
  16. Über die Hülfs=Wörter: haben, seyn, werden.
  17. Wiefern diese Hülfs=Wörter unserer Sprache einen gewißen schleppenden und schwerfälligen Gang geben.
    Mögliche Ausbeugungen.
  18. Von den Umstands Wörtern.
  19. Von den Vorwörtern.
  20. Häufige Fehler, sonderlich der Schwaben, durch falsche Sezung des Beug=Falles den ein Vorwort erheischt.
  21. Von den Bind Wörtern.
  22. Von den Ausrufungs=Wörtern. – Ihr Gebrauch und Misbrauch.
  23. Die Haupt Regeln der deutschen Wort=Fügung oder des Syntaxes.
  24. Was von der deutschen Sprachlehre auszuwählen und wie es den Kindern beyzubringen sey, ohne gerade eigene Stunden über die Regeln derselben aufzuwenden.
  25. Nuzen der Schreib=Uebungen, und der gelegentl. Anbringung der Sprach=Regeln.
  26. Sorgfältiges Durchsehen der Schriften. Unterstreichen der Fehler, zum Selbst=auffinden und Selbst=nachdenken.
  27. Vortheile, um Kinder an Richtig=Schreibung zu gewöhnen.
  28. Anhang zur Sprachlehre.
Kurze Logik für Schul-Lehrer.
  1. Begriff der Logik, oder VernunftLehre. Ursprung des Namens.
  2. Eintheilung derselben in natürliche und künstliche.
  3. Grund dieser Eintheilung. – Überlegenheit mancher Menschen durch die natürl. Logik, oder den gesunden Menschen=Verstand.
  4. Über Begriffe und ihre Eintheilung.
  5. Über Sätze und Urtheile, und ihre Eintheilung.
  6. Über Schlüße und ihre Eintheilung.
  7. Regeln bey Prüfung der Schlüsse.
  8. Wie verstekt öfters die Falschheit, und wie sie zu entdeken sey?
  9. Der ganze Menschen=Verkehr im Ganzen ein Gewebe von Sätzen. Urtheilen und Schließen.
  10. Wodurch sich die künstliche oder gelehrte Logik über die natürliche erhebe.
  11. Mannigfaltiger Nuzen der künstlichen Logik für Schullehrer, in ihrem Amte, sonderlich in Beurtheilung und Behandlung ihrer Schulkinder.
  12. Anweisung, wie man durch Beyspiele der analytischen Methode die Urtheils=Kraft der Kinder schärfen, und sie in der praktischen Logik kann.
[VII.]Unterricht im Rechnen.
  1. Die gemeine Art.
  2. Neue Form durch Pestalozzi, und vornehmlich Schmid.
  3. Tillichs noch kürzerer Weg in seinem allgemeinen Lehrbuche der Arithmetik.
  4. Das Wesentliche der Pestalozzischen und Tillichischen Rechen=Art, und der Unterschied zwischen beyden.
  5. Über Schmids Elemente der Zahl. – Haschen desselben nach dem Sonderbaren.
  6. Wesentlicher Unterschied zwischen ihm und Pestalozzi und zwischen ihm und Tillichs Lehr-Buche. – Vorzüge des lezteren vor Schmid.
  7. Richtige Ansichten des Pfarrers Hoffmann zu Weil im Dorf in seinem Buche.
  8. Warum man das Rechnen mit den Kindern nicht zu frühe beginnen soll.
VIII. Kurzer Begrif der Sing Lehre, und
 
 

IX. der Formen Lehre, soweit sie in Landschulen anwendbar ist.
 

XIIm Original steht "X", muß aber nach dem vorgehenden Plan "XI" heißen.. Kurze Geschichte der Pädagogik.

  1. In älteren und neuern Zeiten, bey verschiedenen gebildeten Heiden=Völkern.
  2. Bey dem jüdischen Volke.
  3. In der Christenheit.
  4. Wie viel auch die Pädagogik der Reformation verdanke.
  5. Verbesserung=Versuche durch Amos Komenius, die Philantropien, Rochow u. s. w.
  6. Pestalozzis ehrwürdige Erscheinung. Seine Schiksaale, Schriften und Verdienste. – Entstandene Gährung über ihn.
  7. Sein Buch für Mütter. - Warum es, wenn es für Mütter und Kinder seinen Zwek erreichen soll, fast ganz umgeschmolzen werden müße.
  8. Abweichende Urtheile über Pestalozzi und seiner Wirksamkeit.
  9. Urtheile vaterländischer Gelehrten über ihn, Süskinds, d`Autels, Werkmeisters.
  10. Über die Christmannsche Metakritik. Sie ist ziemlich in Hippels Geist und Ton geschrieben, sezt auch zu mannigfaltige, wissenschaftliche und gelehrte Kenntniße voraus, und ist daher für die wenigsten Schul=Lehrer eine verständl. Leseregs.
  11. Das wirklich Richtige darin, nach meiner Ansicht, im ernsten Ton vorgetragen.
  12. Der Mittel=Weg, auf welchem einige Schul=Lehrer wandeln und gehen müßen.
X. Religions und Pflichten Lehre.

konnte wegen langwähriger Krankheit nicht abgehandelt werden, und Pfarrer ist willens, bey künftigen Schul=Conferenzen das Nöthige nachzuholen. [keine Unterschrift]

Die Wegstrecken zum Lehrkurs nach Renningen
 Die beiden Friolzheimer Teilnehmer hatten einfach gut zwei Stunden zu gehen. Im Schnitt für alle Teilnehmer lag der Veranstaltungsort eine Wegstunde entfernt. In der Summe waren alle Teilnehmer als Fußgänger bei vollständiger Teilnahme an einem einzigen Kurstag über 42 Stunden unterwegs. Da man aus einem Ort meist zu zweit war und es wenigstens teilweise gemeinsame Wegstrecken gab, so war zumindest die Gelegenheit für Gespräche zum Kurs vorhanden.

Die Inhalte des Kurses sind damit recht gut bekannt, die methodische Ausgestaltung weniger. Nach seiner Bemerkung am Ende des ersten Kurses wurde der Lehrstoff von Pfarrer Paret vorgetragen. Ob während dieser Vorträge Fragen und eigene Beiträge der Lehrer zugelassen waren oder gar erwartet wurden, ist aus dieser Niederschrift nicht zu erfahren. Abschließend oder nachfolgend wurden bei einer Wiederholung die Lehrer zu bestimmten Sachverhalten befragtLKA, DA Leonberg, Nr. 53 SchullehrerKonferenz 1798-1818.:

Bey der Repetition stimmten alle 16 Schul-Lehrer darin überein:

daß das Kopfrechnen angefangen werden müsse, so bald die Kinder in die Schule kommen und zwar nach Anleitung des Rottweiler Rechenbüchleins.

daß das schriftliche Rechnen angefangen werden könne, so bald die Kinder ein wenig schreiben könnten.
. . .

daß die Pestalozzische Einheitstabelle, woraus 5 Übungen durchgemacht wurden, bey den 4. Species zur Veranschaulichung sehr gut zu gebrauchen seye.

"alle 16 Schul-Lehrer" kann aber auch heißen, dass man sich der Meinung des Pfarrers und dann weiter der Meinung des Vorredners angeschlossen hat.

Berichte über die Lehrkurse waren PflichEvang. Kirchengemeinde Freudental, Pfarrarchiv Inv. Nr. 11, Neues Rescriptenbuch 1796-1816.t:

Synodalrecesse von 1812

/: Friedrich :/
. . .

16) Wollen wir die Decane angewiesen haben künftig über den Gang der LehrCurse und der Schulconferenzen in ihrer Generalübersicht zu berichten, und zugleich die Schullehrer und Provisoren, welch diese Anstalten fleißig und mit Nuzen besuchen, so wie diejenigen, welche sie aus Trägheit oder Starrsinn versäumen, schriftlich bekannt zu machen.

Zeller hatte in Heilbronn einen Nachfolger bekommenEvang. Kirchengemeinde Freudental, Pfarrarchiv Inv. Nr. 11, Neues Rescriptenbuch 1796-1816..
1813

Hochehrwürde p

Vermöge Kön.Ob.Cons.Rescr. d. 2t Merz a. c. wird H. Schulinspector Hofprediger Denzel zu Heilbronn in dem bevorstehenden Sommerhalbjahr wieder einen Lehrcurs für SchulMstr und Provisoren halten. Meine H. Herr Collegen habe ich die Ehre hievon in Kenntniß zu sezen, damit sie Ihre H. Schullehrer – die nicht zu weit von Heilbronn entfernt sind, die ihres Alters die ihrer Fähigkeit halben den Lehrcurs besuchen können, anhalten, bald nach Heilbronn zu kommen um sich über das weitere mit dem H. Schulinspector zu besprechen, auch mir hievon s. Zeit Nachricht zu geben.

Beßigheim, 21. Apr. 1813.                             Reuß Dec.

Für einen Besigheimer Lehrer wären dies drei Wegstunden gewesen, für Bietigheimer noch eine Stunde mehr. Wählte man den Weg längs des Neckars, so verlängerte sich die Wegstrecke durch die Flußwindungen und vermied man dies, so hatte man einige Höhenunterschiede zu überwinden. Allein Lauffen lag in erträglicher Nähe.

Solche Windungen oder Höhen und Tiefen in übertragenem Sinne konnte es auch geben, wenn das Gelernte im Unterricht umgesetzt wurdeGEHRING 1825, S. 332.

So ist es in Schlesien sehr häufig der Fall, daß die sogenannten Schulrevisoren den Schullehrern Lehrarten, Lehrbücher und Lehrgeseze vorschreiben, die dem schnurstraks entgegen sind, was diese Leute in den Bildungsanstalten gelernt haben. Dadurch entsteht eine innere Zwietracht in dem Lehrer, er wird wetterwendisch, und ich kann Beweise anführen, daß in Schlesien viele Schullehrer, die recht tüchtig geworden wären, durch diesen Gewissenszwang wenn auch nicht schlecht, doch höchst mittelmäßig geworden sind. Wenn Landesbehörden keine Lehrarten vorschreiben, so sollten sich Unterbehörden dies viel weniger unterfangen, und die Lehrart von dem abhangen lassen, der sie gebraucht. Errichtet man Schullehrerbildungsanstalten, so muß man auch nicht erlauben, daß Jeder, der durch einen Zufall Schulrevisor wird, einem Lehrer Lehrarten vorschreibt, und für ihn Schulpläne ausarbeitet.

Konkret tauchte dieser Fall in den von mir durchgesehenen Akten nicht auf und auch Gehring muß Beispiele aus Schlesien bemühen. Dokumentiert wurde aber von Pfarrern und Dekanen und diese haben wenig Neigung, freiwillig ihre eigenen Unzulänglichkeiten "zu vermelden". Es liegt aber in der Natur der Sache, dass ein Ortspfarrer nicht unbedingt sofort und immer einem Schullehrer Recht gibt, wenn dieser sich zu einem Thema äußert und weil er sich dabei auf einen Schulinspektor oder anderen Pfarrer beruft. Das Problem wurde auch von PfarrernVollgiltige Stimmen 1835, S. 154. gesehen.

Sich befehlen zu lassen, und das sogar in strenger Weise, ist an sich nicht empfindlich, denn es muß seyn; aber sich befehlen und meistern zu lassen von Männern, die nichts von der Sache verstehen, und vielleicht bei jedem Befehle eine Blöße geben, ist drückend und reizt zum Widerstande. Darin mag oft die Ursache der Klagen liegen, die man über die Dünkel der Schullehrer hört, . . .

Bei diesem Text handelt es sich wiederum nicht um eine Meinung aus Württemberg, sie stammt von Pastor Klaucke zu Ham und Horn bei Hamburg und aus seinem Buch "Grundsätze der Schullehrer=Bildung in Seminarien" (Hamburg, 1829). Wenn aber ein Zeller, Denzel oder Paret im Lehrkurs einen Lehrer überzeugt und begeistert hat und dieser Lehrer wird dann durch den in dieser Angelegenheit merklich unwissenden Ortspfarrer "ausgebremst", so liegt ein ganz ähnliches Problem vor.

Was einmal eingeführt wurde, hat auch einen gewissen Bestand. Bisweilen auch, wenn die Durchführung inzwischen nutzlos oder gar kontraproduktiv ist. In der Frühzeit der Menschheit erhöhten sich die Überlebenschancen, wenn man Werkzeuge einsetzte. Dabei war nicht das Maß der Eignung ausschlaggebend, sondern die Vertrautheit und die rasche Verfügbarkeit des Werkzeugs. Dieses Prinzip wirkt nach.

"Die Lehrkurse wurden weitergeführt. Sie verloren aber den Schwung aus der Zeit der Pestalozzibegeisterung und entarteten zu trockenen Wiederholungskursen, zu deren Teilnahme die jüngeren und älteren Lehrer verpflichtet waren. Nach und nach kamen sie ab."MAIER 1948, S. 546.

"Alle Lehrer, die in den Schulvisitationen keinen befriedigenden Unterricht geboten haben, werden zum Besuch dieser Lehrgänge verpflichtet."FRIEDERICH , S. 86.


Weiter im Text

Zum Inhaltsverzeichnis